Venenheilkunde (Phlebologie): Besenreiser und Krampfadern

Krampfadern führen besonders nach einem langen Tag zu schweren Füßen, die Schuhe wollen abends nicht mehr so recht passen, manchmal setzt sich ein hartnäckiger Fußpilz fest oder die Unterschenkelhaut spannt, juckt und verfärbt sich. Blaue Venen treten hervor.

Besenreiser sind kleine blau-rote Gefäßerweiterungen an den Beinen. Oft sind sie harmlos und nur kosmetisch störend, sie können aber auch ein Hinweis auf ein Krampfaderleiden sein.

Lassen Sie deshalb rechtzeitig Ihre Beinvenen mittels Ultraschall (Dopplersonographie) untersuchen! Nur so können Krampfadern im Frühstadium erkannt und behandelt werden – wer die Therapie dauerhaft versäumt, riskiert Spätschäden.

Stehen Ihre Besenreiser nicht mit Krampfadern in Verbindung, können sie elegant mittels winziger Einstiche verödet oder mit Laser behandelt werden. Mit einem Spezial-Venen-LED-Licht werden die in der Tiefe versteckten Wurzeln der Besenreiser spielend auffindbar und lassen sich zielsicher behandeln.

Krampfadern – ein rein kosmetisches Problem?

Der Name Krampfader stammt vom altdeutschen krimpfan – krümmen – und bedeutet so viel wie Krummadern. Es handelt sich um erweiterte Venen, also die Blutgefäße, die das sauerstoffarme Blut Richtung Herz zurücktransportieren. Wenn die Venenklappen nicht mehr richtig schließen und das Blut durch ständiges Zurückfließen zu einer Stauung führt, spricht man von Krampfadern.

Das oberflächliche Beinvenensystem besteht aus zwei Stammvenen: Die Vena saphena magna verläuft vom inneren Fußknöchel über die Innenseite des Beins bis zur Leiste, die Vena saphena parva von der Wadenmitte bis in die Kniekehle. Beide münden in die tiefe Beinvene und sind über Seitenäste, Brückenvenen und Perforansvenen miteinander verbunden.

Durch Aussackungen der Venenwände können die Klappen nicht mehr verhindern, dass das Blut der Schwerkraft folgend nach unten absackt. Die Folge ist eine Volumenüberlastung der darunterliegenden Venenabschnitte: Die Venenwände werden weiter auseinandergedrückt, es entsteht eine Stauung, Wasser wird ins umliegende Gewebe abgepresst. So kommt es zum Ödem, also Wassereinlagerungen in Beinen und Füßen – nach langem Stehen fühlen sich die Füße dick und schwer an.

Krampfaderleiden haben also nichts mit arteriellen, sondern mit venösen Durchblutungsstörungen zu tun. Sie betreffen mehr Frauen als Männer; manche Betroffene leiden zusätzlich unter Hämorrhoiden und Plattfüßen.

Krampfadern – ein Fallbeispiel

Frau Germer, 39 Jahre, kommt zur Hautkrebsvorsorge. Die Ganzkörperuntersuchung ergibt keine verdächtigen Leberflecke – aber die Ärztin entdeckt Besenreiser an den Beinen. Sie bestehen seit der zweiten Schwangerschaft, die Mutter der Patientin hatte richtige Krampfadern.

Ärztin: Die Druckerhöhung im Bauch und die Größenzunahme der Gebärmutter erschweren in der Schwangerschaft den Rückfluss des Blutes, die Schwangerschaftshormone erweitern zusätzlich die Gefäße. Bei entsprechender genetischer Veranlagung begünstigt das Krampfadern – Besenreiser sind Krampfadern der feinen Gefäße. Falls Sie noch einmal schwanger werden möchten, empfehle ich, vorbeugend Kompressionsstrümpfe der Klasse 2 zu tragen.

Frau Germer: Können Sie mir die Besenreiser denn entfernen?

Ärztin: Ja, das ist heute gut möglich. Beim Veröden mit der Flüssigkeit Aethoxysklerol® führt das Einspritzen zu einem reflexartigen Zusammenziehen und Verkleben der Äderchen. Zusätzlich oder stattdessen können Besenreiser sehr effektiv mit einem langgepulsten NeodymYag-Laser verödet werden, dessen Impulse die rot-blauen Äderchen erhitzen. Nach beiden Methoden dauert es einige Wochen, bis der Körper die verschlossenen Gefäße abgebaut hat. Vorher sollten wir aber per Ultraschall klären, ob größere Krampfadern die Besenreiser aus der Tiefe unter Druck setzen – dann werden erst die größeren Gefäße saniert, danach die feinen Besenreiser.

Reine Besenreiser ohne Krampfadern gelten nicht als krankhaft, sondern als kosmetisches Problem. Krampfadern dagegen sollte man sehr wohl behandeln.

Bis vor wenigen Jahren standen dafür nur operative Methoden zur Verfügung, etwa das Stripping (Herausziehen der Vene). Heute gibt es weit schonendere Verfahren, die in rein örtlicher Betäubung und ohne Ausfallzeiten durchgeführt werden können: die Schaumverödung und die endoskopische Verödung per Laser oder Radiofrequenz-Methode mit einer in das Gefäß eingeführten Sonde; manchmal werden die Methoden kombiniert. Im Anschluss unterstützt das Tragen von Kompressionsstrümpfen für einige Tage bis Wochen die Ausheilung.

Es ist sinnvoll, rechtzeitig zu behandeln – auch wenn das Leiden nicht wehtut. Die ständige Stauung von Blut und das Ödem im Gewebe aktivieren Fibroblasten, die Bindegewebefasern produzieren: Über Jahre verhärtet und vernarbt das Gewebe, die Sauerstoffversorgung wird schlechter, zusätzlich entstehen freie Radikale, die weitere Gewebeschäden und Gewebealterung hervorrufen. Betroffene zeigen häufig hartnäckige Infektionen an den Füßen – Warzen, Nagelpilz, immer wiederkehrenden Fußpilz –, trockene Beinhaut, Stauungsekzeme und ockerfarbene Ablagerungen in der Haut. Nach Jahren drohen weiße Verfärbungen (flächenhafte Vernarbungen) und das gefürchtete offene Bein, Ulcus cruris. Dazu muss es heute nicht mehr kommen.

Eine Ausnahme: Krampfadern nach einer tiefen Beinvenenthrombose sind oft nicht behandelbar, da sie wichtige Umgehungskreisläufe darstellen – hier müssen Kompressionsstrümpfe getragen werden. Alle anderen Krampfadern sind behandelbar und fehlen dem Körper nicht, denn es gibt eine Vielzahl alternativer Venenwege. Übrigens: Wadenkrämpfe sind kein typisches Symptom von Krampfaderleiden; hier könnte z. B. ein Magnesiummangel die Ursache sein. Wer unter schweren, müden oder schmerzenden Beinen leidet, sollte sich an einen Phlebologen (Spezialist für Venenleiden) wenden.

Krampfadern – wie kann man vorbeugen?

Venenabdichtende Medikamente aus Rosskastaniensamen oder rotem Weinlaub können dem Austritt von Flüssigkeit entgegenwirken, bessern aber nicht das Bindegewebe. Wichtig ist:

  • nicht zu rauchen,
  • viel Bewegung und Sport,
  • Übergewicht vermeiden,
  • Füße gelegentlich hochlegen,
  • bei langem Stehen oder Flugreisen Kompressionsstrümpfe tragen,
  • kalte Güsse und Wassertreten nach Kneipp bewirken einen Trainingseffekt.