Hilfe, meine Haut juckt

8–20 Prozent der Bevölkerung leiden unter chronischem Juckreiz. Wer schon einmal Läuse hatte oder stark juckende Insektenstiche, weiß, wie quälend dieses Gefühl sein kann.
Eine Reihe von Hauterkrankungen führt typischerweise zu Juckreiz – die bekanntesten sind Neurodermitis, Allergien, Schuppenflechte oder Gürtelrose. Mindestens genauso häufig kratzt man sich, ohne dass die Haut Veränderungen aufweist. Dann ist es oft schwierig herauszufinden, weshalb die Haut juckt.
Juckreiz und Schmerz sind im Körper miteinander verwandt: Beide werden großteils über dieselben Nervenfasern zum Gehirn geleitet, und schmerzhafte Gegenreize wie Druck, Hitze oder Capsaicin können Juckreiz unterdrücken. Zahlreiche Botenstoffe im Gewebe lösen Juckreiz aus – so erklärt sich, warum er die unterschiedlichsten Qualitäten aufweist, von kitzelnd bis brennend, und wir durch Kratzen, Reiben, Pusten oder Kühlen kurzfristig Linderung suchen.
Häufigste Auslöser sind trockene Haut und die Unverträglichkeit von Körperpflegemitteln, die auch Kontaktekzeme hervorrufen können – Reaktionen der obersten Hautschicht mit Rötung, Schuppung, Pickelchen und Juckreiz. Bei allergischen Reaktionen ist das Immunsystem beteiligt, bei toxischen nicht.
Häufige juckende Hauterkrankungen sind Nesselsucht (Urtikaria), Neurodermitis (atopisches Ekzem), Schuppenflechte, Befall mit Krätzemilben, Läusen, Pilzinfektionen oder Insektenstiche; seltener sind blasenbildende Erkrankungen oder der Lichen ruber mit kleinen juckenden Knötchen.
Juckt die Haut ohne sichtbare Veränderungen, kann eine Unverträglichkeit von Medikamenten vorliegen – oft Blutdrucksenker, Mittel gegen Diabetes oder Gicht, Schmerzmittel oder Antibiotika. Auch Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes, Schilddrüsenstörungen, eingeschränkte Nieren- oder Leberfunktion, chronische Infekte und selten Tumorerkrankungen können Juckreiz auslösen. Deshalb sollte bei chronischem Juckreiz nicht nur die Haut, sondern der gesamte Organismus untersucht werden, inklusive Blutuntersuchungen – Haus- und Hautarzt können hier kooperieren. Auch Schwangere leiden hormonell bedingt häufig unter Juckreiz.
Auch die Psyche spielt eine Rolle: Stress erhöht die juckreizauslösenden Botenstoffe der Haut. Histaminreiche Nahrungsmittel führen ebenfalls zu Juckreiz; Raucher bauen Histamin schlecht ab, es sammelt sich in der Haut an.
Histaminallergie
Manche Menschen können Histamin nicht ausreichend abbauen. Dann ist es wichtig, auf histaminreiche Nahrungsmittel zu verzichten oder sie massiv einzuschränken. Dazu zählen geräucherte, gepökelte, vergorene, marinierte und schlecht gelagerte Nahrungsmittel: Fischkonserven, Kaviar, Räucherfisch – insbesondere Makrelen, Sardellen, Thunfisch und Sardinen.
Auch lang gereifter Käse wie Emmentaler, Parmesan, Harzer, Gorgonzola oder Camembert, Mett- und Rohwurst, Salami, roher Schinken, abgehangenes Fleisch, Essig sowie Wein, Likör und Bier führen häufig zu Juckreiz. Histaminreich sind zudem Erdbeeren, Zitrusfrüchte, Tomaten (auch Ketchup und Tomatenmark), Spinat, Avocado, Auberginen, Sauerkraut, saure Gurken und Sellerie.
Manche Nahrungsmittel setzen bei der Aufnahme Histamin frei – besonders Konservierungsmittel, Geliermittel, Emulgatoren, Geschmacksverstärker und Farbstoffe. Auch sie sollten bei chronischem Juckreiz und vor allem bei Nesselsucht seltener verzehrt werden.
Was tun bei Juckreiz?
Überprüfen Sie zunächst Ihr Körperpflegeverhalten: Häufig wird die Hautschutzbarriere durch übermäßige Pflege zerstört – die hauteigenen Fette werden ausgewaschen, die Haut trocknet aus.
Tipps bei juckender Haut
- Duschen Sie nur kurz und lauwarm.
- Verwenden Sie Seife sehr sparsam und nur an Händen, Kopfhaut, Achseln, Leisten und Füßen – sonst genügt Wasser.
- Waschsubstanzen sollten mild, nicht schäumend und frei von Farb- und Konservierungsstoffen sein. Verzichten Sie auf parfümierte Duschgele!
- Pflegen Sie die Haut mit einer konservierungsmittelfreien Körperlotion ohne Farb- und Duftstoffe aus der Apotheke. Bei trockener Haut helfen Lipolotion, Lipocreme oder Salbe, gern mit Harnstoff (Urea), der Feuchtigkeit in der Haut bindet.
- Produkte mit hautverwandten Fetten kommen ohne chemische Emulgatoren aus und sind sehr gut verträglich.
- Bei Veranlagung zu Neurodermitis und Ekzemen kann die Pflege Mikrosilber enthalten: Es reduziert die hautreizenden Staphylokokken – ohne die Nebenwirkungen der Antibiotika.
- Ist die Haut nicht trocken, eignet sich eine Hydrolotion; manchmal muss gar nicht eingecremt werden.
- Juckreizreduzierende Substanzen in Pflegeprodukten sind z. B. Polidocanol, Niacinamid (Vitamin B3), PEA (N-Palmitoyl-Ethanolamin) oder Harnstoff.
Sollten diese Maßnahmen nicht helfen, suchen Sie einen Hautarzt auf, der nach den Gründen sucht und die passende Therapie auswählt – von der Behandlung eines Stoffwechselleidens oder einer inneren Erkrankung über eine Infekttherapie bis zur Umstellung der Medikation, außerdem Cortisoncremes, UV-Lichttherapien und juckreizunterdrückende Tabletten.