Hautsache gesund

Sprechstunde Haut: Vorsorge ist besser als Nachsorge. Wie kann ich mich selber untersuchen?

  • Welchen Hauttyp habe ich?
  • Habe ich trockene oder fettige Haut – und wo kann ich das ablesen?
  • Wie sonnenempfindlich bin ich, welches Sonnenschutzmittel schützt mich ausreichend?
  • Welche Hautpflege passt zu mir – und muss ich teure Produkte kaufen?
  • Ich habe viele Leberflecken, kann ich etwas dagegen tun?

Zu den vielen Fragen gibt es auch viele Antworten.

Trockene oder fettige Haut?

Eine gesunde Haut im Gleichgewicht produziert ihre eigene Fettcreme selbstständig – zusätzliche Cremes von außen sind von der Natur nicht vorgesehen. Zwei hauteigene Quellen versorgen die Haut mit Fetten: die Talgdrüsen und die Epidermis.

Die Talgdrüsen sitzen in der Lederhaut, der zweiten Hautschicht, und entleeren sich in die Kanäle, in denen Haare stecken. Der Talg wird entlang des Haarschafts nach außen geleitet und legt sich schützend über die Epidermis. Besonders viele Talgdrüsen finden sich an der Kopfhaut und in der T-Zone: Stirn, Nase, Kinn, Ohren, oberer Rücken, Brust und Brustwarzen. An Armen und Beinen sind sie viel kleiner und dünner gesät – daher kann man eine fettige Gesichts- oder Kopfhaut und zugleich trockene Arme und Beine haben. Im Laufe des Lebens lässt die Talgproduktion nach, denn die Talgdrüsen werden durch männliche Hormone stimuliert, die auch bei Frauen vorkommen.

Die Epidermis besteht aus vielen Lagen von Keratinozyten (hornbildenden Zellen), die etwa vier Wochen brauchen, um von der untersten Schicht bis in die äußere Hornschicht zu wandern. Unterwegs bilden sie winzige Kügelchen mit Lipiden und Eiweiß, die zwischen den Hornzellen eine Art Kittsubstanz ergeben. Die Hornschicht aus toten, in diese Kittsubstanz eingebetteten Hornzellen bietet einen robusten Schutz: Sie hält Chemikalien, Erreger und Allergene fern und verhindert, dass der Körper zu viel Wasser verliert. Diese epidermalen Lipide sind die Grundlage unserer Hautschutzbarriere. Wird sie durch übermäßiges Waschen, Seifen, Chemikalien und Desinfektionsmittel zerstört, entstehen Austrocknungsekzeme mit feinen Hautrissen, Juckreiz, Schuppung und Rötung – und die Neigung zu Allergien steigt massiv an.

Es gilt also, die Balance zwischen natürlicher Haut im Gleichgewicht und modernen Vorstellungen von Körperhygiene zu finden. Eine gesunde Haut hat einen seidigen Schimmer, keine Rötungen, keine Schuppen und juckt nicht.

Menschen mit trockener Haut haben häufig auch eine trockene Kopfhaut, die kaum nachfettet – eine Haarwäsche ein- bis zweimal pro Woche genügt. Akne entwickelt sich selten, denn die Talgdrüsen sind klein. Äußerlich erkennt man trockene Gesichtshaut daran, dass kein Fettglanz aufliegt und die Poren zart wirken. Häufiges Waschen und viele Pflegeprodukte können eine verborgene Trockenheit erst zutage bringen: Es kommt zu Spannungsgefühlen, Rötung, Juckreiz und Schuppung. Trockene Haut wirkt matt und ausgelaugt.

Tritt trockene Haut im Rahmen einer Atopie auf, zeigen sich charakteristische Merkmale. Atopiker haben eine genetische Veranlagung für trockene Haut, Allergien wie Heuschnupfen, allergisches Asthma und Nahrungsmittelallergien sowie Ekzeme (Neurodermitis) – oft finden sich auch in der Familie entsprechende Vorgeschichten. Typisch sind halonierte Augen mit dunklerem Hof, seitlich ausgedünnte Augenbrauen und eine doppelte Unterlidfalte. Interessant: Atopiker haben oft einen reduzierten Würgereiz und halten eine Rachenuntersuchung aus, ohne mit der Wimper zu zucken.

Die Neigung zu Ekzemen äußert sich durch feine weiße Schüppchen, Rötungen, Pickelchen, Bläschen oder verdickte, juckende Haut in Armbeugen, an Handgelenken und Kniekehlen; gelegentlich sind Ohrläppchen oder Mundwinkel eingerissen.

Beim Säugling ist der Milchschorf bekannt – ein stark juckendes Kopfhautekzem, das wie getrocknete Milch aussieht. Er ist nicht zu verwechseln mit den fettig-gelblichen Schuppen (Gneis) vieler Babys: Gneis juckt nicht. Diese Schuppen entstehen, weil Babys zeitweise verstärkt Talg produzieren – getriggert durch männliche Hormone. Ein gutartiger Hefepilz vermehrt sich, verstoffwechselt den Talg und setzt hautreizende Fettsäuren frei. Die Gneis-Schuppen sind fettig, gelb und groß; zerreibt man sie zwischen den Fingern, erkennt man den Fettglanz – so gelingt die Unterscheidung vom Neurodermitis-Milchschorf.

Bei Kleinkindern sitzen die Ekzeme meist an den Streckseiten von Armen und Beinen, die Haut fühlt sich rau an. Häufig zeigen sich weißliche, wolkige Flecken auf den Wangen, die in der Sonne nicht mitbräunen. Typisch sind auch sichtbare Hautspaltlinien: Bei dauerhaften Ekzemen verdickt sich die Haut durch Entzündungszellen, und die sonst kaum sichtbaren Linien treten hervor.

Atopiker neigen zudem zu Hautinfekten wie Herpes, Dellwarzen und Warzen. Auf ihrer Haut leben vermehrt Staphylokokken, die immer wieder Ekzeme stimulieren können. Cremes mit Mikrosilber können diese Erreger zurückdrängen, die Hautbarriere regenerieren und neue Schübe verringern.

Leicht selbst zu testen ist der weiße Dermographismus: Kratzt man bei einem Atopiker über die Haut, erscheinen die Kratzspuren als weiße, minderdurchblutete Linien – die Gefäße ziehen sich zusammen, die Hautabwehr sinkt kurzfristig. Bei Nichtatopikern herrscht der rote Dermographismus vor: rote Kratzspuren, weil sich die Gefäße erweitern und die Abwehr kurzfristig verbessert wird.

Fallbeispiel

Fallbeispiel, männlicher Patient, 40 Jahre.

Patient: Ich komme, weil ich unter trockener Haut im Gesicht leide. Ich creme mich jeden Tag mit Nivea® Handcreme ein, weil ich sonst ganz viele Schuppen an Nase und Augenbrauen habe.

Ärztin: Haben Sie das das ganze Jahr über?

Patient: Im Winter ist es am schlimmsten. Es juckt und sieht unschön aus.

Ärztin: Wie lange dauert es, bis Ihre Haare fettig werden?

Patient: Die Haare wasche ich täglich, sonst sind sie fettig und strähnig.

Ärztin: Ihre Haut ist nicht zu trocken – das denken Sie nur, weil man Schuppen meist mit Trockenheit assoziiert. Sie leiden unter einem seborrhoischen Ekzem, dem Gegenteil der trockenen Haut. Mit der fetten Handcreme weichen Sie zwar die sichtbaren Schuppen auf, die Rötung und der Juckreiz darunter bleiben – und Sie vermehren die Fettmassen auf der Haut. Ihr Testosteron stimuliert die Talgdrüsen; in den Haarkanälen lebt der harmlose Hefepilz Malassezia furfur, der sich bei gesteigertem Talgangebot vermehrt und den Talg in freie Fettsäuren zerlegt. Diese reizen Ihre Haut, sie entwickelt ein Ekzem – kein trockenes, sondern ein fettiges. Im Winter fehlt die Sonne, deren UV-Strahlen Entzündungen in der Haut unterdrücken; deshalb kommt Ihre Veranlagung jetzt zum Vorschein.

Patient: Wenn ich noch mehr Fett auftrage, überfrachte ich meine Haut demnach mit Fett?

Ärztin: Ganz genau. Wir behandeln jetzt die massiv vermehrten Hefepilze und die Entzündung. Sie lassen Ihre Hautcreme weg, und innerhalb weniger Wochen wird sich Ihre Haut bessern.

Sonnentyp nach Fitzpatrik

Um seine Haut einschätzen zu können, sollte man wissen, wie sonnenempfindlich man ist: Welcher Sonnenschutz wird benötigt, wie betreibt man effektiv Hautkrebsvorsorge, wie schützt man sich vor frühzeitigen Falten? Es gibt sechs große Hauttypen (frei nach Fitzpatrik).

Sonnenempfindliche Hauttypen

Nord- bis Mittel-Europäer gehören mit Hauttyp 1–3 zu den sonnenempfindlichen Hauttypen.

Hauttyp 1, Frau: Ich bin rotblond, habe hellblaue Augen, weiße Haut und viele Sommersprossen. Ich halte es kaum 5–10 Minuten in der Sonne aus und bekomme sofort einen heftigen Sonnenbrand – braun werde ich nie. Ich benutze nur noch Selbstbräuner. Mein Hautarzt nennt das den keltischen Hauttyp: Meine Vorfahren stammen aus Nordeuropa, wo wenig Sonne schien; meine Haut lässt viel UV-Licht durch, damit ich genug Vitamin D bilden kann. In ihr findet sich überwiegend das rötliche Phäomelanin, das schlecht vor UV-Strahlung schützt.

Hauttyp 2, Mann: Ich bin dunkelblond mit grünbraunen Augen. Nach etwa 15 Minuten Sonne verbrennen mir schon mal Schultern und Nase, wenn ich das Eincremen vergesse. Danach werde ich leicht braun – nie so dunkel, wie ich es mir wünschen würde, aber ganz käsig bleibe ich nie.

Hauttyp 3, Frau: Ich habe braune Haare, braune Augen, helle Haut, aber ich bräune gut. Einen Sonnenbrand kriege ich selten – ohne Sonnencreme kann ich gut 20 Minuten draußen sein, erst dann entwickelt sich eine Rötung.

Weniger sonnenempfindliche Hauttypen

Die robusteren Hauttypen 4–6 entstammen eher südlichen Ländern und der Äquatornähe.

Hauttyp 4, Mann: Meine Haut hat einen olivfarbigen Ton, ich habe dunkelbraune Haare und werde richtig tiefbraun. Sonnencreme benutze ich nur beim Surfen oder Skifahren, wenn Schnee oder Wasser die Sonne stark reflektieren. In der knalligen Sonne halte ich es ohne Schutz 40 Minuten aus. Meine Vorfahren kommen aus dem Mittelmeerraum; in meiner Haut überwiegt das braune Eumelanin, das gut vor UV-Strahlung schützt. In sonnenarmen Breitengraden muss ich Vitamin-D-Tabletten einnehmen, da mein Spiegel im Winter absinkt.

Hauttyp 5, Frau: Ich habe schwarze Haare und auch im Winter braune Haut. Sonnenbrand bekomme ich nur auf einem sonnigen Gletscher. Meine Vorfahren kommen aus Lateinamerika; ähnlich unempfindlich sind Nordafrikaner und Inder.

Hauttyp 6, Mann: Ich habe schwarze Haare und dunkelbraune Haut und bin sehr sonnenunempfindlich. Meine Vorfahren kommen aus Afrika. Lebe ich dauerhaft im UV-armen Nordeuropa, muss ich auf meinen Vitamin-D-Spiegel achten, denn durch meine dunkle Haut dringt weniger UV-Licht.

Diese Einteilung ist grob. Viele Asiaten etwa wirken hell, entsprechen mit schwarzen Haaren aber dem sonnenunempfindlichen Hauttyp 5. Der asiatische Hauttyp altert am wenigsten – dank viel schützendem Eumelanin, sehr effektiven Reparaturmechanismen für Sonnenschäden und womöglich der Antioxidanzien des grünen Tees, die freie Radikale aus UV-Licht, Stress, Rauchen und Alterung neutralisieren.

Personen mit Hauttyp 1–3 sollten sich täglich mit einem Sonnenschutzmittel eincremen – selbst im Winter ein probates Mittel zur Faltenprophylaxe. Wichtig ist der Zusatz „UVA-Schutz“: Ist das UVA-Zeichen in einem Kreis abgedruckt, sind passend zum UVB-Schutzfaktor gute Konzentrationen eingehalten. Ein alleiniger Sun Protection Factor (SPF) genügt nicht, da er nur gegen UVB-, nicht gegen UVA-Strahlung schützt – beides ist aber sehr wichtig.

Leberflecken-Check

Es ist nützlich, Leberflecken regelmäßig durch einen Hautarzt untersuchen zu lassen. Auch die Selbstuntersuchung oder der Blick des Partners kann Leben retten.

Mann: Kannst du mir mal den Rücken kratzen?
Frau: Ja gerne. Oh, was ist denn das? Der Fleck hier mitten auf dem Rücken ist sehr dunkel und steht ab – der ist mir bisher gar nicht aufgefallen.
Mann: Ich habe gestern beim Abtrocknen Blut im Handtuch festgestellt. Ich glaube, ich muss dringend zum Hautarzt.
Hautarzt: Keine Sorge, das ist weder ein Leberfleck noch Hautkrebs, sondern eine Alterswarze – wir Hautärzte nennen sie seborrhoische Keratose. Sie kann dramatisch aussehen, braun-schwarz-grau, und manchmal reißt sie ab und blutet. Trotzdem ist es gut, dass Sie sie zeigen, denn hinter einer so dunklen Stelle kann auch ein schwarzer Hautkrebs stecken. Diese Alterswarze können wir oberflächlich abtragen – oder belassen, denn sie entartet niemals. Bitte kommen Sie aber einmal im Jahr zur Hautkrebs-Vorsorge: Sie haben einige scheckige Leberflecken, die man beobachten muss, und einen sehr dunklen Leberfleck mit irregulärem Muster, der vorsorglich entfernt werden sollte.

Die ABCDE-Regel

  • A: Asymmetry (Asymmetrie): nicht symmetrisch, beispielsweise nicht rund oder oval,
  • B: Border (Begrenzung): unregelmäßig oder unscharf,
  • C: Colour (Farbe): unterschiedlich starke Pigmentierung, Mehrfarbigkeit,
  • D: Diameter (Durchmesser): größer als 5 mm,
  • E: Evolution (Erhabenheit/Entwicklung): neu und in kurzer Zeit entstanden auf sonst flachem Grund.

Die ABCDE-Regeln lassen sich einfach auf jeden einzelnen Pigmentfleck anwenden. Treffen mehrere Kriterien zu, kann es sich um einen atypischen Risiko-Leberfleck handeln, im schlimmsten Fall um schwarzen Hautkrebs – dann ist der Gang zum Hautarzt unerlässlich. Je früher ein schwarzer Hautkrebs diagnostiziert wird, desto besser ist er heilbar: Die Prognose eines malignen Melanoms unter 1 mm Dicke ist sehr gut, dickere Melanome haben dagegen ein hohes Metastasierungsrisiko.

Ein auffälliger, atypischer Leberfleck sollte entfernt oder regelmäßig kontrolliert werden. Mit dem Auflichtmikroskop analysiert der Hautarzt die Feinstruktur in zehnfacher Vergrößerung. Die Entfernung erfolgt in örtlicher Betäubung: Der Leberfleck wird herausgeschnitten, die kleine Wunde mit wenigen Stichen genäht, nach spätestens zwei Wochen werden die Fäden gezogen. Das Gewebe geht an den Pathologen, der die Diagnose unter dem Mikroskop prüft – ein bestätigter atypischer Leberfleck heißt dann dysplastischer Nävus.

Seit 2008 bezahlen die Krankenkassen gesetzlich Versicherten ab 35 Jahren alle zwei Jahre die Hautkrebsvorsorge; einige Kassen bieten sie schon ab 20 an. Dadurch werden mehr Hautkrebsfälle diagnostiziert – die Sterblichkeit beim schwarzen Hautkrebs ging aber deutlich zurück, da er bei frühzeitiger Entdeckung durch operative Entfernung geheilt werden kann.